Teilnehmer:
Am Samstag, 1.09.01 fand eine private Exkursion zur Burgruine Suitbertstein, ("Schlösschen") statt, die von Andreas Görres initiiert wurde. Mit dabei war Prof. Dr. Hermann, der Anfang der 90er Jahre seine Dissertationsarbeit zum Thema "Wohntürme des späten Mittelalters" gemacht hatte und zu diesem Anlass bereits die Burgruine genauer untersucht und dokumentiert hat.
Das Ziel dieser Exkursion war ein vertieftes Kennenlernen der doch recht unbekannten Ruine unter sachkundiger Führung eines renommierten deutschen Burgenforschers unserer Zeit.
Prof. Hermann bemerkte gleich den Fortgang des Zerfalls seit 1992 anhand des
mittlerweile eingefallenen Türbogens im Eingangsbereich. An dieser Stelle zeigte
er die letzten Reste von Wandputz auf, die sich noch in der Türlaibung befinden,
was die Frage beantwortete, ob die Burg einst verputzt war.
Im Bereich der Außenmauern wies uns Prof. Hermann auf kleine Aussparungen hin, in denen ursprünglich Rundhölzer für die Auflage der Gerüstbretter mit Mörtel eingelassen waren. An manchen Stellen sah man noch die Mörtelreste mit rundem Abdruck der Hölzer.
Den gut erhaltenen Ansatz einer Wandöffnung im Bereich
des ersten Stockes der Westwand, die dem Rest eines Balkons ähnelt,
interpretierte Prof. Hermann als sog. "Abtritt". Ein Abtritt war ein
geschlossen gemauerter, nach außen gerichteter Wanderker, der in alten Burgen
Mehrfachfunktion hatte. Zum einen war der Abtritt die Burgtoilette; sie hatte
eine Öffnung nach unten, die nur mit Brettern verschlossen wurde, zum anderen
war der Abtritt der Mülleimer der Burg.
Prof. Hermann verwies an dieser Stelle auf die Tatsache, dass bei Grabungen im Bereich unter diesen Abtritten die interessantesten archäologischen Funde bei Burgen gemacht werden. So könnte auch hier unter den Schutt- und Erdschichten gewiss noch unvergänglicher Unrat aus den Tagen der Nutzung der Anlage zu finden sein, wie z.B. Tonscherben, zerbrochene Fliesen u.ä.
Im Inneren des Wohnturmes wurden die Schießscharten, hier in der Ausführung
sogenannter "Maulscharten" besehen und deren einstige Funktion erläutert. Die
vornehmliche Waffe des ausgehenden Mittelalters war die Hakenbüchse, für die
eigens ein Haltebalken zur Verminderung des Rückschlageffektes an den
Maulscharten angebracht war. An der Büchse befand sich dafür ein Haken, der
zu diesem Zweck an dem Balken eingehängt wurde.
Man konnte im Turminneren auch deutlich noch die Auflagepunkte der Deckenbalken sehen und im Bereich des Haupt-Wohngeschosses (1.Stock) eine Fensteröffnung mit umlaufender Aussparung in der Fensterlaibung, die wohl zur Aufnahme des hölzernen Fensterrahmens gedient hat.
Die Fenster können zur Zeit des ausgehenden 15.Jahrhunderts durchaus schon aus Glas gewesen sein, dann aber bestehend aus vielen kleinen, durch Bleistreifen zusammengehaltenen Einzelscheibchen, die auch noch keine ebene Oberfläche aufwiesen und deswegen keine klare Durchsicht ermöglicht hatten.
Wieder im Außenbereich der Burgruine machte uns Prof. Hermann auf den Verlauf einiger langgezogener Schuttanhäufungen aufmerksam, welche sich nach genauerem Hinsehen als Reste von Mauern herausstellten, die die Burg einst umgeben hatten.
Eine besonders interessante Entdeckung waren die Überreste eines ovalen
Mauerringes unmittelbar östlich der Ruine, mit Eingangsaussparung nach Osten
hin. Es ergab sich die Vermutung, dass es sich hierbei um eine kleine
Burgkapelle gehandelt haben muss, da der auffällige ovale Grundriss und die
Ausrichtung nach Osten, was bei allen frühen Sakralbauten üblich war, diesen
Schluss sehr nahe legen.
Genaueren Aufschluss darüber könnte eine Beseitigung des Mauerschuttes im Inneren der Fundamentreste und eine eventuelle Grabung dort geben, um auch vielleicht auf ein typisches Altarfundament zu stoßen.
An
dieser Stelle ist die eindringliche Bemerkung nötig, dass im Moment jegliche
Grabung oder Veränderung der Anlage strafbar ist, zum einen aus
eigentumsrechtlichen -, zum anderen aus archäologischen Gründen, da eine
planlose, unwissenschaftliche Grabung meist mehr Funde zerstört oder nicht mehr
richtig zuortbar macht und die Erforschung der Geschichte der Burg erheblich
beeinträchtigen würde.
Abschließend ergab sich eine angeregte Diskussion über die weitere Zukunft der Burgruine Suitbertstein, deren Fortbestand im Moment erheblich gefährdet ist, zum einen durch den drohenden totalen Einsturz, der noch durch starken Baumbewuchs im Inneren beschleunigt wird und zum anderen durch mangelndes Interesse der Bevölkerung, was auch auf die unwegsame Lage zurückzuführen ist. Dieses nötige Interesse kann z.B. durch Beiträge und Aktionen wie die heutige geweckt und gefördert werden, was eine Grundvoraussetzung für geeignete Erhaltungsmaßnahmen ist.
Wie diese Schritte, die zur Erforschung und Erhaltung "unseres Schlösschens" führen können, aussehen werden, kann nur die Zukunft zeigen, indem sich durch Anregung in öffentlichen Medien möglichst viele Personen angesprochen fühlen und eine Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Burg zu bilden, die diesem Teil unserer Heimatgeschichte die notwendige Wertschätzung zurückbringt.